Pressestimmen zu Ausstellungen der Galerie
BallonmannKopfgänger
/ Malerei von Michael Sistig und Martin Galle
Generalanzeiger-Bonn / Christina zu Mecklenburg (09.12.2009)
Martin Galle und Michael Sistig sind die heimlichen Stars der Bonner Galerie E 105. Der Leipziger Galle studierte bei Neo Rauch (Leipzig), derweil der Bonner Sistig in Düsseldorf bei Albert Oehlen und Peter Doig besuchte.
Gemeinsamer Nenner der beiden Maler bilden experimenteller Elan sowie eine weitgehend gegenständliche Bildwelt. Wie extrem kontrovers sie sich an das Thema Wirklichkeit heranpirschen, vergegenwärtigt das Doppelsolo "BallonmannKopfgänger".
Knallblauer Himmel, an Zuckerwatte erinnernde Wolkengebilde, eine mit Ölfarbspuren übersäte Asphaltstrasse, am Rand die Staffage einer überdimensionalen Softeisreklame, die schmucke Fassaden von Kirmesbuden: Mit diesem heiteren Vorspiel feuert Galle seinen zusehends wilderen (einen Leipziger Rummelplatz erkundenden) Abenteuerrausch an.
Ausgelöscht sind in diesem famosen Zyklus die Grenzen zwischen: Traum und Wirklichkeit, Sein und Schein, Spiel und Ernst, Kunst und Künstlichkeit, Alltag und Ausnahmenzustand.
Das hier waltende Charakteristikum Magie schlägt die Brücke zu einem Gemäldeimperium, das einen abrupten Kurswechsel mit sich bringt: auf monströse Leinen- oder Holzgründe bannt Sistig die atemberaubende Dramatik seiner heroisch aufgeladenen Naturräume. Altmeisterliche Malkulturen flackern nicht nur auf in von Irrlichtschimmern und Wetterleuchten heimgesuchten Gebirgszügen, Schluchten, Tal- und Vulkangebiete und Wasserfluten.
"JUST A MOMENT
" Arbeiten von Amely Spötzl
Generalanzeiger Bonn / von Thomas Kliemann
Amely Spötzl mit der größten Arbeit ihrer Ausstellung: Abgeschnittene Brombeerranken, von einem Stahlband fixiert.Bonn. Mit schöner Konsequenz bleibt die Bonner Künstlerin Amely Spötzl seit Jahren schon ihrem großen Thema treu, das man in Anlehnung an Karl Blossfeldt die "Urformen der Kunst" betiteln könnte.
Blossfeldt (1865-1932) spürte dem faszinierenden Gestaltungspotenzial der Natur in allen Verästelungen fotografisch nach, emotionslos, analytisch, nüchtern forschend - er war ein Vertreter der "Neuen Sachlichkeit".
Bei Amely Spötzl, 1975 geborene Alanus-Absolventin, die gerade in einer ausgezeichneten Ausstellung von "E 105 - Halle für Kunst und Design" zu sehen ist, verschmilzt die Analyse der Formen mit dem spielerischen Element der freien Assoziation. Fragmente der Natur werden im künstlerischen Kontext zur puren Poesie oder auch zum feinen Witz. Das Ganze mit einer unprätentiösen Leichtigkeit.
In "Just a moment", so der Titel der Schau, bilden flauschige Weidenkätzchen ein klassisches Tafelbild mit Rahmen, versammeln sich aufgeklebte Rosendornen zu einem gleichermaßen schönen wie aggressiven Relief, werden Huflattich- oder Löwenzahnblüten auf Omas Linnen umstickt und befestigt.
Amely Spötzl arbeitet mit strengen Reihen, dem Muster der Wiederholung, was besonders in ihren Zeichnungen zu sehen ist, die aus Blattumrissen und deren Drehung ein bizarres Ornament entwickeln. 250 Pusteblumen in Kunststoffkugeln sind in einer Wunschbox versammelt - mit einer Öffnung zu Wunschentnahme. Woanders gibt es einen "Samenspender" mit Schilfsamen.
Diese Entwicklung zum Interaktiven hin mündete Mai dieses Jahres in eine Aktion ihm Rahmen des "Betriebsausflugs" von E 105 nach Los Angeles. Auf die Promenade von Venice Beach hatte Amely Spötzl einen offenen Plexy-Behälter mit Blumen gestellt. Mancher bediente sich, andere strichen irritiert herum. Michael Sistig hat die Aktion gefilmt, Bernd Zöllner war für die Foto-Dokumentation verantwortlich. Eine zauberhafte Studie über die Leichtigkeit des Seins.
Artikel vom 25.06.2009
FUTUREWORLD UTOPIA
„Die Welt ist ein wunderschönes Chaos“
Generalanzeiger-Bonn / von Ann-Kathrin Akalin
Vielschichtige Bildwelten, in denen mehrere Handlungs- und Bedeutungsebenen ineinander verwoben sind, entwirft die aus Süd Korea stammende Künstlerin So Young Park. Sie laden den Betrachter ein, sich auf die grotesken, surrealen und komischen Szenerien einzulassen, die sich nie auf den ersten Blick erschließen. Das Auge geht in der Galerie E 105 auf Entdeckungsreise und lässt sich überraschen und irritieren- durch die Kombinationen von Symbolen und Versatzstücken aus ganz unterschiedlichen Kontexten, aus Politik, Literatur und Kunstgeschichte: Abendmahl und Mickey Mouse.
Ihre Spannung beziehen die Bilder aus diesen Kontrasten und Widersprüchen sowie aus Uneindeutigkeiten: Gestalten werden angerissen, lösen sich dann plötzlich in der Umgebung auf. Räume öffnen sich, die Perspektive kippt, Schatten und Spiegelungen täuschen den Blick. Mensch oder Tier, fantastisch oder real, lieblich oder aggressiv- die Ölgemälde der in Berlin lebenden Künstlerin, die Meisterschülerin bei Daniel Richter war, erzählen von Schönheit und Gewalt, Heiterkeit und Bedrohung, sich erschrecken gleichzeitig durch die Diskrepanz zwischen süßlicher Farbgebung und hintergründigen Motiven. „Die Welt, in der ich lebe…Sie ist ein wunderschönes Chaos“, sagt So Young Park und schöpft aus diesem unendlichen Fundus.
Der gebürtige Berliner Mattias Gálvez macht seinen gegenständlichen Ölgemälden Anleihen bei den alten Meistern, arbeitet mit Symbolen und Allegorien. In seinen rätselhaften Bildern vermischt er Aktuelles und Historisches, Elemente der Renaissance-Malerei, orientalische Ornamentik und Aktdarstellungen. Die dargestellten Personen agieren zwar in einem Raum, kommunizieren jedoch nicht miteinander. Gálvez thematisiert Eitelkeit, Überlebenskampf und die vom Menschen kontrollierte Natur. Wie in einem Stillleben komponiert er Motive und Versatzstücke des Bildaufbaus zu statischen Momentaufnahmen.
Robert Seidel, Neo-Rauch-Schüler, variiert in Eitempera oder Mischtechnik auf Baumwolle menschliche Behausungen, Scheunen, Hütten, Wohngebäude, Fabriken, ja ganze Dörfer. Diese sind jedoch ihres urbanen oder landschaftlichen Umfeldes und ihrer Bewohner beraubt, allenfalls schwebt bedrohlich eine Wolke über dem Konglomerat aus Gebäuden. Wie Skizzen eines Architekten reihen sie sich aneinander, Versuche über die Vielfalt von Gebäudevariationen.
Demontierte Vorbilder „Das Bauhaus ist tot, es lebe“
Generalanzeiger-Bonn / Von Gudrun von Schoenebeck
Nur mal kurz anfassen, dachte sich wohl ein Gast bei der jüngsten Ausstellungseröffnung im E195, der Halle für Kunst und Design in Endenich. Eine leichte Berührung mit Konsequenzen, denn das Designobjekt zerfiel unhaltbar mit einem Geräusch von einstürzenden Bauklötzen in seine 73 Einzelteile.
Nach der ersten Schrecksekunde (womöglich mit Fluchtgedanken) erwies sich die vermeintliche Zerstörung als unproblematisch und sogar als passende Metapher für die Zielsetzung der gesamten Ausstellung „Bauhaus/Rietveld“.
21 Studenten der Bauhaus-Universität Weimer und der Gerrit Rietveld Academie Amsterdam zeigen im E105 ihre zeitgenössische Auseinandersetzung mit den Klassikern des Designs. „Das Bauhaus ist tot, es lebe“, also die Demontage der Vorbilder, um die alten Prinzipien unter veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen fortzuführen oder einen Neuanfang möglich zu machen, lautet eine der Antworten.
Lisa Dinges zum Beispiel hat die legendäre „Bauhaus Leuchte“ von 1924, bis heute einer der bekanntesten Entwürfe von Wilhelm Wagenfeld, in Originalgröße nachgebaut.
Mit dem Unterschied, dass der Nachbau nicht aus Glas, sondern aus einzelnen Buchenholzteilen besteht, sehr leicht einstürzt und deshalb „Wagenfällt“ heißt. Nach der Zerlegung, und darin besteht die eigentliche Aufforderung der Produktdesignerin, muss die Leuchte wieder zusammengesetzt werden- das alte Bauhaus entsteht in neuer Materialität.
LEICHTE MÄDCHEN SCHWERE JUNGS
Generalanzeiger-Bonn / Christina zu Mecklenburg (15.05.2008)
Die Lust an der Provokation lebt der Leipziger Maler
Martin Galle
zum Beispiel mit dieser Kombination aus Bach-Porträt und Graffiti aus. Die Arbeit heißt Bachpimp. Ein gewisser Walter, Unikum der Bonner Nordstadtszene, kommt in einem großen Öl-Porträt von
Kathrin Hausel
zu Kunstehren. Halbwegs eingehüllt in Linnen, übersät mit tätowierten Emblemen, angetan mit Silberketten und blinkenden Ringen scheint er dem Schlummer zu huldigen.
Walter und weitere diskrete Milieustudien der neuen Bonner Atelierhausstipendiatin Hausel (Jahrgang 1977 aus Fürth) eröffnen die Ausstellung "Leichte Mädchen Schwere Jungs" in der Galerie E 105.
Aufmerksamkeit erregen die vortrefflich verschlagenen Gemälde des an Neo Rauch und Arno Rink geschulten Martin Galle (Jahrgang 1981, Leipzig). Gedankenwitz, Doppelzüngigkeit oder beinharten Humor ballen sich in einer fesselnden Bildwelt. Zu sehen sind suspekte Birkenwäldchenidyllen, unerwartet frivole Mienenspiele, entgleiste Schattenrisse etwa von Sissi oder Napoleon.
Enger am Ausstellungsmotto bewegen sich die Collagen von
Max Frintrop
(Jahrgang 1982), Sprössling der Kunstakademie Düsseldorf (Klasse: Albert Oehlen). Lichte, vielfach puderrosa aufscheinende Nebelwolken, grell aufblitzende Muster, erotische Signale allenthalben bevölkern malerisch geprägte, kritisch unterfütterte Szenen.
Nur auf den ersten Blick weniger hart gesotten fallen die komödiantisch unterlegten Plastiken und Wandobjekte von
Moyan Ole Lindena
(Jahrgang 1977, Diplom der Alanus Hochschule Alfter) aus. Ausgediente Produkte bilden das Fundament für eigenwillige Designmodelle. Dabei spielt das Medium Musik eine tragende Rolle.
Fantastisch ist schließlich das bei Zwielicht aufgenommene Lokalkolorit des Fotokünstler
Michael Donner
(Jahrgang 1960, Meschede).
BLIND DATE
Generalanzeiger-Bonn
/
Gudrun von Schoenebeck
(1.3.2008)
In der Endenicher Kunsthalle E105 begegnet man beim "Blind Date" fünf jungen Künstlern, einer Holzkiste und surrealistischen Welten.
Wer sich auf ein "Blind Date" einlässt, der mag das prickelnde Gefühl der bangen Erwartung. Der glaubt an unvorhersehbare Möglichkeiten und kalkuliert dennoch ein, dass die Begegnung enttäuschend verlaufen könnte. Dieses Risiko bewerteten die Besucher im E105, der Halle für Kunst und Design in Endenich, offensichtlich gering, denn der Andrang zur Eröffnung der Ausstellung "Blind Date" war enorm.
Fünf junge Künstler nutzten das Zusammentreffen, um ihre durchweg eigenständigen künstlerischen Positionen zu schärfen. Da passte auch ein Überraschungsgast, den Galerist Bernhard Zünkeler drei Tage zuvor bei einem Rundgang an der Düsseldorfer Kunstakademie entdeckt hatte, ins Bild.
Yvonne Wilczynski
spielt in ihrer Videoarbeit raffiniert mit Illusionen. Mit Unterstützung einer Assistentin, die knappe Anweisungen gibt, zeichnet die Künstlerin im Video mit verbundenen Augen das Porträt eines Mannes. Hin und her gerissen zwischen ehrfurchtsvollem Staunen und der rationalen Erkenntnis, das hier eine nette Scharlatanin am Werk sein muss, sieht sich der Betrachter unversehens mit seinen eigenen Erwartungen konfrontiert. Die ironische Antwort auf Uri Geller und seine Nachfolger.
Etwas geheimnisvoll präsentiert sich auch die etwa drei Meter hohe Holzkiste, die
Claudia Gienger
in die Galerie baute. Durch eine Klappe blickt der Besucher in einen Raum, der direkt aus einem Traum importiert sein könnte. Aus zwei Tonnen Ton modellierte die Künstlerin eine Szenerie mit einem Stuhl, der zur Decke zu wachsen scheint.
Der frische Ton - er wird regelmäßig angefeuchtet - verströmt einen intensiven erdigen Geruch und macht das Traumbild perfekt. Die Bilder von
Michael Sistig
, er ist der einzige Maler in der Ausstellung, sind ebenso realistisch wie unkonventionell. Das traditionelle Leinwandbild hat Sistig durch ein auf Ästen gespanntes Baumwolltuch ersetzt.
Durch die Asymmetrie und Durchbrechungen ergibt sich ein neues bildnerisches Bezugssystem, in das der Künstler seine surrealistischen Welten setzt. In der "Blicktotenkapelle" tragen die Menschen, die sich auf einer Dorfstraße versammelt haben, ihre Augäpfel im Mund oder in den Händen. Weniger unbehaglich, trotz der verwendeten Disteln und Kletten, wirken die Arbeiten von
Amely Spötzl
.
Die in Bonn längst bekannte Künstlerin verwendet pflanzliche Materialien für ihre fragilen Objekte. Deren anziehende Ästhetik speist sich sowohl aus der pflanzlichen Formschönheit als auch aus ihrer künstlerischen Neuverwertung. An Schönheit ist
Taka Kagitomi
hingegen überhaupt nicht interessiert. Er bearbeitet und kombiniert Alltagsgegenstände und verrückt sie in eine Kunstwelt, in der alles möglich ist. Sein Credo: "Ich will keine Erwartungen erfüllen, das wäre langweilig."
DON´T HATE ME BECAUSE I'M BEAUTIFUL
Generalanzeiger-Bonn
/
Gudrun von Schoenebeck
(29.11.2007)
"Würde diese Ausstellung in Berlin gezeigt, wären wahrscheinlich alle Arbeiten noch am Eröffnungsabend verkauft", vermutet Bernhard Zünkeler. Die Rede ist von der aktuellen Schau
"Don't hate me because I'm beautiful"
in der Endenicher Halle für Kunst und Design "E105".
Die These von Geschäftsführer Zünkeler ist ohne weiteres nicht überprüfbar, allerdings lässt der Besucherandrang zur Ausstellungseröffnung auch in Bonn auf echtes Interesse schließen. Ein Erfolg, der den Ausstellungsmachern und ihrem Konzept von "E105" Recht gibt.
Man wolle die Arbeiten junger Künstler, viele davon frisch von den Akademien, zeigen und mit günstigen Preisen ein ebenso junges Sammlerklientel entwickeln, meint Zünkeler. "Die können dann mit den Künstlern wachsen."
"Don't hate me because I'm beautiful"- dieser Satz aus einer Shampoo-Werbung der 80er Jahre wird zur Einstiegsfrage der Ausstellung. Ist die Schönheit in der figurativen Malerei in Verruf geraten? Ist nur noch das Abseitige, Periphere von Interesse?
Die schönste Antwort darauf gibt
Matthias Gálvez
(Jahrgang 1974) mit meisterlich gemalten Frauenporträts. Im Wechselspiel von realistischer Darstellung und geheimnisvoll konstruierten Bildräumen ist die erzählerische Absicht des Bildes greifbar, aber nie ausformuliert.
Mit düsteren Farben nähert sich die in Japan geborene
Sae Esashi
(Jahrgang 1980) einer Schönheit, die unterhalb der Oberfläche liegt. Fernöstliche Mythen und Märchen überlagern alltägliche Erfahrungen aus Berlin Kreuzberg. Der Bonner Künstler
Caspar Pauli
(Jahrgang 1984) reflektiert in seinen großformatigen Bildern den Tourismus und dessen massenhafte Produktion von schönen Bildern.
Seine Figuren löst Pauli aus Urlaubsbildern heraus, vergrößert sie malerisch und stellt sie in neue Zusammenhänge. So wird der Tourist selbst zur Attraktion. In leuchtenden Farben inszeniert die aus Korea stammende Malerin
So-Young Park
(Jahrgang 1971) Bilder aus Massenmedien mit dem überraschenden Einsatz von Ornamenten.
Die grotesken Szenerien spielen sich auf verschiedenen malerischen und inhaltlichen Ebenen ab - das Phantastische wird zum Realen. "Häkeltrauma" nennt
Laura Straßer
(Jahrgang 1981) ihren Beitrag zum Thema Schönheit.
Dazu taucht die Produktdesignerin gehäkelte Arbeiten in Schlicker und brennt sie. Zurück bleibt der Abdruck des Garns in Porzellan. Mit Rissen und unfertigen Mustern in der Porzellanserie gibt Straßer dem Unvollkommenen Raum. Auch ein Häkeltrauma kann überwunden werden.
Textauszug über die ArtFair 21
Kunstmarkt
/
Hans-Peter Schwanke
(11.2007)
Zu den Entdeckungen dürfte die erst seit kurzer Zeit existierende Bonner Galerie „E 105 – Halle für Kunst und Design“ gehören, die mit Highlights aufwartet. Der 1981 in Leipzig geborene Maler Martin Galle, Schüler von Neo Rauch, kombiniert in bunten Ölbildern auf einprägsame Weise Reiseerfahrungen mit Alltagserfahrungen (Preise 800 bis 3.000 EUR). Zu den großen Nachwuchstalenten dürfte auch sein Kojenpartner Michael Sistig gehören. Der Schüler des Düsseldorfer Akademieprofessors Peter Doig übt sich in einer derart überzeugenden malerischen Umsetzung von Mythen und Legenden der Vergangenheit mit teils skurrilen Anspielungen und Überlagerungen in pastosem Öl mit derart geschickt verarbeiteten Anmutungen an Bosch, Breughel oder van Gogh, dass man fast schon einen Schrecken vor dem immensen Talent des 25jährigen bekommt (Preise 1.600 bis 10.000 EUR).
"Art Fair 21" zum fünften Mal zu Köln: Eine Messe im Aufwind durch internationale Beteiligung
DIE WELT
/
Marianne Hoffmann und Gerhard Charles Rump
(Textauszug 10.11.2007)
Zum ersten Mal auf der Messe die Galerie E105 aus Bonn mit der Gegenüberstellung des Peter-Doig-Schülers Michael Sistig und des Neo-Rauch-Schülers Martin Galle. Der Stand war am Ende der Messe mit Arbeiten in der Preisspanne 500 bis 10000 Euro nahezu ausverkauft.
SCHEIN DES REALEN, Zwischen Kunst und Design:
Generalanzeiger Bonn
/
Anja Kiessling
(17.05.2007)
Bonn. Design-Alternativen für den Kunstfreund, der sich Damien Hirsts in Formaldehyd eingelegten Tigerhai nicht leisten kann, zeigt die Bonner Halle für Kunst und Design E 105.
In einer Flaschenfolge versunkene Lichtbildfragmente fügen sich zur Studie der bezaubernd pastelligen Prinzessin von Burundi zusammen, eines ostafrikanischen Feenbarschs. Sie bringen maritime Ästhetik für weniger als 200 Euro mit einem Flossenschlag selbst ins Billy-Regal.
Am Standort E 105 in einer weitläufigen Industriehalle im Grenzterrain, wo das Bonner Musikerviertel auf Endenich stößt, will man die Grenzen zwischen Kunst und Design aufbrechen.
Und den potenziell Interessierten, denen die Scheinargumente gegen den Ausstellungsbesuch selten ausgehen, die Schwellenangst nehmen. Vorbeischauen lohnt sich. Die aktuelle Schau "Der Schein des Realen" ist gespickt mit spannenden Positionen wie
Thomas Egelkamp
s Spiegelungen versteckter Landschaften.
Ein Fotograf darf angesichts des Ausstellungsthemas natürlich nicht fehlen.
Stefan Demming
demontiert den alten Realitätsanspruch der Fotografie mit Stills einer abgefilmten Portraitserie: Die Abbilder der Objekte, die mal vor seiner Kameralinse gestanden haben, verlieren sich in Unschärfe, hinter einer Jalousie horizontaler Streifen.
Mit der "Passion des Realen" eines Naturwissenschaftlers seziert Trockel-Schüler
Michail Pirgelis
das Skelett einer ausrangierten Boeing 737. Und die Reste des Luftverkehrsmythos im Zeitalter der Flugmeilensammlerei und Billigfliegerei gleich mit.
Aus dem Kontext gerissen, zersägt und zur Schau gestellt, wirkt die Alu-Außenhaut der Boeing verstörend fragil. An der Wand flackert die Neonschrift "Cursed Flight": Verfluchter Flug, den unsere Sinne trotz seiner Alltäglichkeit räumlich und zeitlich so nicht ganz zu fassen vermögen.
Design zum "Schein des Realen" liefern Studenten der
Kreativenschmiede Burg Giebichenstein
, der blutjunge Stuttgarter Johann Goossen und Lena Hülsmeier, deren originelle Armreifen zunächst puren Brillantenglanz vermitteln.
Doch wer die hochkarätige Schönheit des Hülsmeier-Schmucks geschaut hat, ist sozusagen im Handumdrehen dem Tod anheimgegeben: Im nächsten Blickwinkel geben die Brillanten den Blick auf bloße Armknochen frei.
STURM UND DRANG, Studenten aus Leipzig und Düsseldorf
Generalanzeiger Bonn
/
Thomas Kliemann
(06.03.2007)
Die Schönen und Mächtigen: Gemälde ohne Titel von
David Ostrowski
in der Ausstellung Sturm und Drang .Bonn. Was ein "Spießer" ist - ein Dorn für Notizblätter - und was ein "Spanner" ist - eine Art Miniaturhosenträger -, enthüllt eine originelle Schau junger Designer von der renommierten
Hochschule Burg Giebichenstein
in Halle.
Ein "Buntes Verdienstkreuz" gehört ebenso zum Sortiment wie eine Streichholzschachtel aus Beton. Entwürfe aus dem
Bauhaus Weimar
und Schmuck aus dem Düsseldorfer Atelier Nina Wöhlke/Florian Brune komplettieren die Abteilung Design in der zweiten Ausstellung des neuen Bonner Kunstraums "E105".
Wie schon bei der Premiere vor wenigen Monaten ist auch diesmal ein anregender Dialog zwischen bildender Kunst und Design gelungen. Die aktuelle Auflage trägt das Motto "Sturm und Drang", was nicht untertrieben ist.
Sechs junge Künstler, darunter einige, deren Namen man sich unbedingt merken sollte, stellen sich vor. Vier davon kommen aus der Düsseldorfer Akademie, sind Studenten von Albert Oehlen, Jörg Immendorff oder Peter Doig. Zwei Stürmer und Dränger sind Schüler von Neo Rauch (Leipzig).
Martin Galle
, einer der beiden, verblüfft mit einer fast fotorealistischen Malerei, die sozusagen im Nachgang mit Kreiden und Graffitti-Elementen kommentiert wird. Unverkennbar ein Rauch-Schüler - und mit viel Potenzial.
Robert Seidel
gibt sich lakonisch, sparsam, ein Minimalist, der den weiten leeren Raum liebt, in den er seine "Kinderzeichnungen" platziert.
Von den "Düsseldorfern" besticht der gebürtige Bonner
Michael Sistig
mit raffiniert in unterschiedlichen stilistischen Ebenen aufgebauter Malerei, witzigen Motiven und einer ziemlich abgebrühten Formatbeherrschung. Eine echte Entdeckung. Virtuos, garniert mit Jackie Kennedy und dem Reeder Onassis, setzt David Ostrowski Foto-Ikonen aus dem kollektiven Gedächtnis in Malerei um.
Alexander Voigts
Bilder kreisen um die Institution Museum, die Präsentation von Exponaten und Inszenierung prominenter Kollegen.
David Lieske
, ebenfalls Immendorff-Schüler, ist ein ausgezeichneter Maler, der seine filmisch anmutenden Bilder auf der Suche nach dem Schönen im schnöden Alltag bisweilen etwas überlädt. Insgesamt eine starke Präsentation, mit der sich E105 als wichtige Adresse für junge Kunst etabliert.
