SPRELACART 09. September bis 29.Oktober 2011
Es flirrt, glitzer, spiegelt und zuweilen bewegt es sich oder hängt, liegt und steht im Raum umher. Die vierte, thematische Ausstellung in der Galerie E105 versammelt neun künstlerische Positionen, durch alle Medien der zeitgenössischen Kunst hindurch, die von international etabliert bis jung und überaus vielversprechend nicht nur inhaltlich eine vielschichtige Bandbreite repräsentieren. Von klassischer Tafelmalerei über Fotografie, Skulptur, Objekt, Installation und Wandmalerei reicht das Spektrum der ausgewählten Werke und entwirft ein weites Panorama zu einer der historischsten Bildgattungen der Kunstgeschichte.
Cornelius Völkers
virtuose Büchertürme und monumentale Austernarrangements markieren mit den nicht weniger faszinierenden Ausblicken in Vitrinen voller Preziosen, Porzellan und Glas aus
Jan de Vlieghers
Werkblock „Schatkammer“ die malerische Tradition eines Genres dessen zeitgenössischen Qualitäten oft unterschätzt werden.
Peter Drehers
seit 1974 kontinuierlich entwickelte Arbeit „Tag um Tag ist guter Tag“ verzahnt auf einzigartige Weise jene Tradition mit der strengen Ideenwelt der Konzeptkunst und
Sigurdur Gudmundsson
, der frühe Pionier konzeptueller Fotografie, vollendet den Wandel zum reflexiven Objekt zwischen eigenem Ausdruck und vielschichtigem Beziehungsgeflecht vollends.
Die duftigen Pastelle
Ka Bomhardts
wuchern über die Begrenzungen ihres Trägers hinaus über Wände und Ecken und schließlich erobern
Roland Perssons
ausgreifende, aus Silikon gegossene Pflanzen, Tiere und deren Fragmente den Raum in Gänze. Mit ihrer Anmutung jenseits vitaler Lebendigkeit führen sie die Facette des zeitlichen, des „Vanitas“ ein, die in den Fotoarbeiten von
Michael Wesely
eine ihrer beeindruckendsten Ausformungen erfährt. In Stunden, Tagen, bis zu Wochen entstehenden Dauerbelichtungen konservieren sie die Spuren des Vergänglichen.
Der Vergänglichkeit entrissen, erscheinen die Zeichnungen und Malereien Marcel Gählers,in denen das, wie durch einen Blitzschlag erleuchtete Motiv sich jeder Annäherung entzieht.Schließlich das Universum von
Johannes Jensen
aus Maschinen, Bauten und Objekten, Reaktionen auf unmittelbare Fragen und selbständige Kommentare, oszillierend im Kosmos von Kunst, Welt und Wissenschaft. Dem Ausstellungstitel fällt dabei bewusst keine erläuternde Funktion zu, vielmehr besticht die Wortschöpfung durch ihre breite Assoziationsfähigkeit. Konkret handelt es sich bei Sprelacart um die DDR Variante des allseits beliebten Resopal, dessen zukunftsweisende Unempfindlichkeit und Pflegeleichtigkeit besonders im Bereich von Küchen und als Tischplatten zu Einsatz kam. Der Verweis auf den Tisch als historisch unersetzliche Basiseines jeden Stilllebens, die phonetische Nähe zum „À la carte“ das um eine verwandte Inhaltlichkeit kreist sowie die augenzwinkernd auffällige geographische Komponente machen dieses Kunstwort zu einem idealen Träger und Vermittler der Ideen dieser Ausstellung.
