Die Designer

Heri Gahbler
Hiroshi Kawano
Tina Roeder
Uta K. Becker

Die Designer - 16. Juni - 18. August 2007

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" VIELE KAPITÄNE UND DAS SCHIFF STEIGT AUF DEN BERG "

Urjapanische und asiatische Traditionen stellen sich in dieser Ausstellung in verschiedenen Facetten vor. Während Heri Gahbler die über 1000-jährige Tradition der urushi-Lacktechnik an klassischen Formen japanischer Gebrauchsobjekte demonstriert (Foto), setzt Tina Roeder das urasiatische Material Porzellan in ironisierender Weise für recht plakative Formen ein. In ihren handgegossenen Schalen wird Japans aktuelle zwischen Tradition und Rebellion hin und hergerissene Gesellschaftskultur bei intensiverer Betrachtung symbolhaft und auch kritisch in Szene gesetzt. Hiroshi Kawano schließlich widmet sich einem künstlichen hochaktuellen Werkstoff der Neuzeit und macht sich dessen thermoplastischen Eigenschaften zunutze. So entfalten die zartwirkenden Ringe seiner Hängeleuchte ihre Form bei steigender Wärmeentwicklung durch das Leuchtmittel.

Als erster Nicht-Japaner durfte Heri Gahbler 1987 am Institut für
urushi-Lacktechniken in Wajima studieren, der Stadt, die als Lack-zentrum Japans gilt. Unter Anleitung der besten Lackkünstler des Landes, konnte er sich in seiner zwei Jahre dauernden Ausbildung umfassenden Einblick in die über 1000-jährige Tradition der japanischen Lacktechniken erarbeiten.

Der außergewöhnliche Charakter der urushi-Lackkunst geht zurück auf die Besonderheiten dieses Naturlacks aus Ostasien und den außerordentlich aufwendigen Entstehungsprozess. Urushi-Lack, wird mühevoll als Harz aus dem Lackbaum (jap. urushi no ki, bot. Rhus verniciflua) gewonnen und anschließend aufbereitet. Mit seinem unnachahmlich tiefen Glanz, strahlt er eine ganz eigene Sinnlichkeit aus, die zum Berühren seiner warmen, weichen Oberfläche einlädt.

Heri Gahbler
1957 geboren in Bielefeld
1977 - 84 Ausbildung und Tätigkeit als Schreiner und Restaurator
1984 - 92 Studium der Japanologie und orientalischen Kunstgeschichte an der Universität Bonn, Magister
1987 - 88 Ausbildung an der Fachschule für Lacktechniken in Wajima, Japan-Stipendium der Carl-Duisberg-Gesellschaft
1992 - 93 Ausbildung an der Fachschule für Lacktechniken in Wajima, Japan
2003 Lehrtätigkeit an der Universität Münster
2005 Lehrtätigkeit an der FU Berlin

Ausstellungen
2002 Ishikawa International Urushi Exhibition, Kenji Ekuan Award
2004 ITAMI International Craft Exhibition,Otegara Award
2005 Ishikawa International Urushi Exhibition
2006 Galerie des KunstKulturforums Nettersheim

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Hiroshi Kawano
1971 geboren in Kanagawa, Japan
1990-1994 Studium der Chemie an der Kanagawa University, Kanagawa, Japan
1994-2002 tätig als Janssen Pharmaceutical K.K., Japan
2003-2007 Studium interior design an der Tama Art University, Tokio, Japan
seit 2004 als selbständiger Designer tätig

Ausstellungen
2004 “Swedish update”, schwedische Botschaft, Tokio, Japan
2006 greenhouse, Stockholm Furniture Fair, Stockholm, Schweden
2006 100%east, London, England
2007 inspired by cologne, imm cologne, Köln
2007 greenhouse, Stockholm Furniture Fair, Stockholm, Schweden

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Tina Roeder
1997 – 2000 Bachelor-Studium in Graphikdesign am Central Saint Martins College in London
2001 Studium Produktdesign an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin
2002 – 2004 Studium Industrial Design an der Design Academy Eindhoven unter der Leitung von Droog Design, Niederlande

Ausstellungen
2004 Master pieces, Droog Design, Amsterdam
2005 Picnic for two, Galerie Lachaert, Tielrode
2006 Behind the scene 01, Salone del mobile, Mailand
2006 Suburbia, Designmai youngsters, Berlin
2007 Talents, Ambiente, Frankfurt

Tina Roeder hat nach ihrem Bachelor-Studium am Londoner Central Saint Martins College ihre Studien an der Design Academy Eindhoven in den Niederlanden unter der Leitung von Droog Design fortgesetzt und erhielt dafür 2004 ihren Master of Arts. Sie hat an verschiedenen internationalen Ausstellungen teilgenommen. Ihre Arbeiten wurden in Magazinen in den Niederlanden und in Deutschland veröffentlicht. Nach Praktika bei Bless in Berlin und Studio- Jobs in Antwerpen arbeitet Tina Roeder seit 2005 an einer eigenen Produktreihe.

Die Porzellanschälchen sind handgegossen in Deutschlands Porzellangegend um Selb. Aus ein-teiligen Gussformen gegossen, variieren die Schälchen in ihrer Scherbendicke ein wenig. Kein Guss ist genau wie der andere, ebenso wie keine Dekoration der anderen genau gleicht, was gerade den Charme des Porzellans ausmacht. Trotz ihres zarten Aussehens sind die Schälchen spülmaschinen-fest, was der Designerin Tina Roeder wichtig ist, da sie möchte, dass ihre Objekte sowohl als Skulptur als auch als Gebrauchsgegenstand dienen.

Tina Roeders SchälchenSet „Strawberry Muesli or a Croissant, Lilly?“ ist Japan-affin. Ähnlich eines der japanischen Popkultur entspringenden Manga-Comics wird hier in wenigen Worten respektive Formen eine Geschichte erzählt. Sie handelt von den Gewohnheiten junger Japanerinnen, die in der strengen japanischen Gesellschaft häufig zwischen Tradition und Rebellion hin- und hergerissen sind und mit sehnsuchtsvollem Blick auf den Westen, auf das freiere Zentraleuropa schielen. Mode- und markenbesessen scheint Frankreich ihr allergrößtes Idol.
Zwischen traditionellem Wagashi, kunstvoll-perfektioniertem japanischen Tee-Konfekt, und rebellisch-anrüchigen in Automaten verkauften gebrauchten Mädchen-Unterhöschen. Und dazu
den bei einer jungen in Berlin lebenden Japanerin aufgeschnappten extrem höflichen Ausspruch „kawaii! many many thank you, merci beaucoup“ was soviel heisst wie „super zuckersüß, niedlich! viele viele Dankeschön, Merci vielmals!“ was sie sagte, als sie ein kleines pastellfarbenes rosa Comme des Garçons-Portemonnaie als Geschenk von ihrem Freund überreicht bekam. – Eine weitere Momentaufnahme eines heutigen japanischen Alltags.

Uta K. Becker

1964 *bensberg geboren
1983 abitur
1983-1986 schreinerlehre mit gesellenprüfung
1986-1989 studium der bildhauerei an der alanus hochschule, bonn
seit 2000 eigene keramikwerkstatt mit schwerpunkt raku brenntechnik

1989 kunstförderpreis der stadt rösrath
2002 preisträger, köln-kalker kunstmeilen
2003 1. preis gefäss, HWK köln

Raku ist eine seit dem 16. Jahrhundert angewandte Brenntechnik, die vorwiegend zur Herstellung von Trinkschalen diente.
Übersetzt bedeutet Raku „stille Freude“ .
Charakteristisch für den Rakubrandt ist das Herausnehmen der Stücke in noch glühendem Zustand. Danach werden sie in Tonnen mit Sägemehl geräuchert, um die, durch die schnelle Abkühlung entstandenen Risse sichtbar zu machen.
So entstehen ganz unvorhersehbare, einzigartige Stücke, an deren Gelingen die Natur einen großen Anteil behält.
Raku ist vor jeder technischen Betrachtung eine Geisteshaltung.
Die Arbeit in der Natur mit ihren Elementen, verlangt Strenge und Phantasie, Aufmerksamkeit und Improvisation.