Aktuelle Ausstellung 16. Juni bis 25. August 2007
Ausschnitt einer Installation im E105 von Taka Kagitomi
Mit seiner vierten Ausstellung untersucht E 105 den wechselnden Einfluss unterschiedlicher Kulturen auf das Werk zeitgenössischer junger Künstler. Unter dem Titel
Viele Kapitäne und das Schiff steigt auf den Berg
präsentiert E 105 aktuelle Arbeiten aus dem künstlerischen Schaffen von
Kaoli Mashio, Taka Kagitomi, Akihiro Higuchi, Jan Klopfleisch
und
Walter Bruno Brix.
Die Besonderheit bei der Zusammensetzung der Ausstellung liegt zum einen darin, dass die japanischen Künstler Kaoli Mashio, Taka Kagitomi und Akihiro Higuchi wichtige Abschnitte ihrer bisherigen künstlerischen Ausbildung in Deutschland absolviert haben, während die deutschen Künstler Walter Bruno Brix und Jan Klopfleisch ihrerseits durch Ausbildung und Gaststipendien in Japan starke Impulse für ihr Werk erfahren konnten. Zum anderen zeigen die ausgestellten Werke, dass sich der vielschichtige Einfluss ostasiatischer und westeuropäischer Prägung auf verschiedenste Bereiche in der bildenden Kunst erstreckt und klassischen Kategorisierungen oftmals entzieht.
Die Malerin Kaoli Mashio , Schülerin von Peter Doig an der Kunstakademie Düsseldorf, taucht ihre Gemälde in ein magisches Licht. Auch wenn die meisten ihrer Bilder als figürlich und gegenständlich bezeichnet werden können, entführen ihre Werke durch unwirkliche Farbzusammenstellungen und Lichtführungen in eine Art Traumwelt. Unterstützt wird dieser Eindruck durch einen dezenten, lasierenden Farbauftrag, der ihren Arbeiten etwas leichtes, schwebendes gibt.
1976 Geboren in Gunma, Japan
lebt und arbeitet in Düsseldorf
Seit 2002 Studium der Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf.
Schülerin in der Klasse von Prof. Peter Doig
Ausstellungen
06.2006 The Coutesy of Thorsten Eyer, Ballhaus Ost, Berlin
05.2006 16. Kunstförderpreis, KÖ Galerie, Düsseldorf
03.2006 Ausstellung Doig Klasse, Art Fabrik, Wuppertal
2001 Diatext.5, Kyoto, Japan
2000 BAL Galerie, Kyoto, Japan
Auszeichnungen/Stipendien
1995 New Zealand Bursaries Scholarship
2007 National Scholarship for Young Artist
(Japanese Cultural Agency)
Ausschnitt einer Arbeit von Taka Kagitomi
Ebenfalls an der Kunstakademie Düsseldorf studiert
Taka Kagitomi
. Mit den in der Ausstellung zu sehenden Arbeiten setzt Taka Kagitomi wie sein Lehrer Tal R einen Schwerpunkt in der Objekt- und Installationskunst. Kagitomi fügt in seinen Werken ausrangierte Haushalts- und Nutzgegenstände zu neuartigen Kompositionen zusammen und entführt den Betrachter in eine Art Parallelwelt. Besonders charakteristisch für seine Objekte ist eine Scheinfunktionalität, deren Sinn sich erst auf den zweiten Blick erschließt und mit deren Hilfe er den Absurditäten des Alltags den Spiegel entgegenhält.
1973 geboren in Niigata, Japan
lebt und arbeitet in Düsseldorf
Seit 2003 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf,
Schüler in der Klasse von Prof. Tal R.
Ausstellungen:
2005 Projekt "Adieu Intressant" von Prof. Tal R in Kopenhagen, Dänemark
2006 Artoll Kunstlabor in Bedburg-Hau
2007 Hausheinrichsrot in Mülheim an der Ruhr
Akihiro Higuchi absolvierte an der Universität Tokyo ein Studium der Bildhauerei bevor er als Gast an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste nach Stuttgart kam. Die Arbeiten von Akihiro Higuchi stellen den Dialog von Mensch und Natur in den Mittelpunkt und hinterfragen auf ironische Weise die zumeist sehr anthropozentrische Sicht der Dinge. In der hier gezeigten Serie versieht Higuchi die Flügel von Schmetterlingen mit filigranen Mustern und bunten Zeichnungen. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass es sich bei den Exponaten um alte Sammlerpräparate von Nachtfaltern handelt, denen er auf diese Weise neues Leben einhaucht.
Jan Klopfleisch studierte bei Frank Badur an der Universität der Künste in Berlin und sammelte im Rahmen von Gaststipendien bleibende Eindrücke in Japan. Die in dieser Ausstellung zu sehenden Objekte eröffnen eine neue Sicht auf die Welt der Einwegverpackungen. Mit unterschiedlichen Materialien verarbeitet er abstrahierte Tagebuchnotizen zu Kleininstallationen und führt den Betrachter in den Mikrokosmos der japanischen Bento-Box ein
Bento sind kleine Schachteln mit Essen für unterwegs
. Man kauft sie in Japan in kleinen Läden, Restaurants oder am Bahnhof. Später in einer freien Minute im Zug, im Park, im Büro,
wird es ausgewickelt. Man zieht einen Schnippgummi ab und öffnet den Deckel. Ein kleiner Raum öffnet sich. Sorgsam geordnet nach Formen, Farben, Speisen liegen da Reis, Fisch, Gemüse. Komponiert wie ein Gemälde, findet man hier die japanischen Landschaften: z.B. Bergpilze, oder Tang und Fisch aus der See, Kürbis, Bambussprossen, Süßkartoffeln. Zur Regenzeit süßen Aal, im Winter Rogen, so künden sie von Frühling, Sommer, Herbst, Winter.
Mütter stehen früh auf, bereiten ihren Kindern Bento, die mit Stolz oder Scham in der Schule gegessen werden. Für Feiern gibt es Shokado-Bento in edlen Lackkästchen gestapelt. Die Ge-schichte der Bento lässt sich angeblich bis ins 9.Jhd. verfolgen. Auch Veränderungen der Ge-sellschaft kann man an ihnen ablesen. Eki-ben (Bahnhofs-Bento) enthalten nun auch Würst-chen, Burger, Schnitzel. Sie werden in Industriearbeit gefertigt. Abgeleitet aus dem Deutschen wird dieses System Arubeito genannt (d.h. schlecht bezahlt und ohne Sozialleistungen).
Bento sind ein Stück take away Kultur, an den unwirtlichsten, anonymen Orten öffnet man diese Box, man findet einen intimen Raum, Farben, Formen, Gerüche, Geschmack…
Walter Bruno Brix befasste sich in der Vergangenheit vorwiegend mit ganz traditioneller ostasiatischer Textil- und Kimonokunst, die er während mehrjähriger Aufenthalte in Japan erlernte. Die hier gezeigten Arbeiten zeigen einen Querschnitt durch sein aktuelles Schaffen, in dem er die in Japan erlernten Techniken für eine eigenständige künstlerische Positionen uminterpretiert. Einen besonderen Schwerpunkt bilden seine Fadenzeichnungen, die nicht nur die Grenzen zwischen Grafik und Objektkunst, sondern auch zwischen Tradition und Moderne auf subtile Art verschwimmen lassen.
Walter Bruno Brix bekannt durch Veranstaltungen an den Kölner Museen ist in E105 mit einigen seiner herausragenden Textilbilder vertreten. Besonder schön sind die Mudras-Zeichnungen, die mit der Hand aufgestickten traditionellen Handhaltungen der Buddhas, die auf dem pinken Baumwollsatin eine Intensität entwickeln und - gepaart mit der rührenden Einfachheit der Stiche - einen unglaublichen Zauber entfalten. Die Arbeiten von Brix zeigen zwischen freier und angewandter Kunst Räume, die besetzt werden durch meditative handwerkliche Tätigkeiten und künstlerischen Ausdruckswillen im Sinne der Zeichnung. Das haptisch Sinnliche des Stoffes wird gesteigert durch die abstrahierende Strichführung der Fäden. Bei manchen Arbeiten scheint die japanische Tradition der Kalligraphie ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen und ein ironisches Augenzwinkern kann sich der Künstler auch nicht verkneifen, indem er mit Origami-Objekten die ostasiatischen Einflüsse allzu deutlich auf den Stoff appliziert.
Textauszug aus
kulturtussi.de
