VITA

Amely Spötzl

1975
geboren in Biberach an der Riß

1997-2001
Studium der Bildhauerei,
Freie Kunst, Alanus Hochschule
für Kunst und Gesellschaft.
Zunehmend Arbeit mit Pflanzen
(Form, Metamorphose, Material, Physiognomie)

2003
Staatliches Diplom,
Bildhauerei / Freie Kunst

Das Buch zur Ausstellung

Das Buch zur Ausstellung

Amely Spoetzl: Phytomagnetik: Berlin/Los Angeles.
Mit Textbeiträgen von
Dr. Marita Pfeiffer
Dr. Gundula Caspary
Dr. Edward Robinson
Mit Fotografien von Bernd Zöllner
Konvolut (Gebunden)
mit 3 Magazinen (Broschur)
Magazine:
Blattwerk: 24 Seiten
Just a Moment: 36 Seiten
Plantas Part: 32 Seiten
Poster: H 83,5cm x B 30cm
ISBN 978-3-939245-00-1
€ 49,00 + Versandkosten

Poster: H 83,5cm x B 30cm

Amely Spötzl

Amely Spoetzl, Foto © Bernd Zoellner

Ein Universum des Werdens und Vergehens, der festgehaltenen Vergänglichkeit und der Poesie.

Amely Spoetzl formt in ihren Skulpturen, Objekten und Arrange- ments eine Atmosphäre von einzigartiger, sinnlicher Naturliebe und artifizieller, kunstvoller und expressiver Strahlkraft, wie sie kaum ein zweites Mal in der Kunst der Gegenwart zu finden ist. Ihre Arbeiten sprechen über sich selbst, ihre Elemente und Be- standteile durch deren reinen und unverfälschten Einsatz und sie lernen von der Künstlerin zu sprechen über Dinge, Bezüge und Referenzen, die gänzlich außerhalb ihrer selbst liegen.
Wenn Amely Spoetzl sich eines Fundstücks – und es sind ausnahmslos Fundstücke, die ihr für ihre Werke dienen – annimmt, entwickelt sich das spätere Werk aus einem dialogischen Prozess heraus, ohne dass die Künstlerin ihr Material in ihrem Sinne „verbiegt“ oder zwingt.
Dem Material gehorchend, erfüllt die Künstlerin jede Anforderung, ob von Brombeerranken, Pusteblumen, Weidenkätzchen oder Löwenmäulchen, und gewinnt ihnen schließlich die Fähigkeit ab, im fertigen Kunstwerk weit über sich hinaus zu wirken.

Amely Spoetzl, Phytomagnetik, © Bernd Zöllner

Im Arbeitsprozess entwickelt sich ein spannungsvolles Verhält- nis, denn jedes genutzte Material bringt seine individuellen Eigenschaften und Notwendigkeiten mit sich, auf die die Künstlerin eingeht. Der spielerischen Anmutung und Leichtigkeit der Objekte geht ein intensiver Prozess der Konzentration und Auseinander- setzung voraus, geprägt von Kraft und Gegenkraft: der Kraft des bildnerischen Schaffenswunsches Amely Spoetzls und der physi- schen Kraft des Materials, die es im Schaffensprozess zu bezwingen und zu überwinden gilt.
„Wünsch Dir was“, die Pusteblume ist Wunschträger und gleich- zeitig Bildnis der Vergänglichkeit durch die Veränderung von Zeit und Raum, der sie nicht widerstehen kann, denn sie verblüht, der Wind trägt ihre Samen davon oder sie wird gepflückt. Die Künstlerin isoliert sie, fängt sie ein und konserviert sie. Sie wird in Sphären aus Plexiglas eingeschlossen, in Reihen selektiert oder als reine Menge auf Vorrat aufbewahrt zur Nutzung bei Bedarf, losgelöst von Zeit und Ort, den nun sind sie transportabel, und jahreszeitenunabhängig prallen in Amely Spoetzls Arbeiten der „Wunschbox“-Serie Grundsätze aufeinander, die sich nur auf der gedanklichen Ebene des Kunstwerks vereinen oder aufheben lassen.
Das gilt auch, wenn sich dornige Ranken wohl geordnet um Spulen legen, Dornen auf feinem Grund wunderbare Muster bilden oder Löwenmäulchen auf Kissen fixiert und von goldschimmernden Strahlenkränzen umgeben sind; dann ist jene feinsinnige und sensible Zwischenwelt spürbar und erfahrbar, innerhalb deren Amely Spoetzl ́s Werke verortet sind, um von dort aus zu faszinieren, zu bezaubern und einzuladen, mit wachen Augen auch das kleinste Geschenk der Natur wahrzunehmen.

night eye mask - boxing gloves (Pussy willow)

Amely Spoetzl, Phytomagnetik, © Bernd Zöllner

Konzentration I , Brombeerranken, Stahl, 24 x 14cm, 2008

Amely Spötzl beschäftigt sich in ihrer Kunst seit jeher mit Pflanzen.
Ihre Arbeiten bestehen zu einem großen Teil auch aus Pflanzenelementen.
Sie werden zumeist aneinandergereiht, genäht, gesteckt oder gewoben und bilden so einen neuen Formkontext, in welchem eine vielseitige Autonomie in Erscheinung tritt, die dem Betrachter überraschende Wahrnehmungsmöglichkeiten bietet.

amely spoetzl © bernd zoellner

Wunschbank , Löwenzahn, Acrylglas, Stahl, 185 x 330 x 6,8cm, 2010

In den Werken von Amely Spötzl sieht sich der Betrachter einer solchen Herausforderung gegenübergestellt. Die naturalistischen Werke sind weit mehr als eine ästhetische Anordnung pflanzlicher Materialien. Das Bekannte setzt sich durch die neue Bekanntschaft mit Formen oder Konzepten in einen neuen Raum, der die alte Sinnhaftigkeit der Materialien verschleiert. Die Künstlerin hat die Produkte der Natur zu ihrem Ausdrucksmittel ernannt. Blumen, Blätter und krautige Pflanzen werden getrocknet, geteilt oder entblättert. Die Künstlerin versteht es nicht nach dem Prinzip des Schönen, sondern nach dem Markanten der Pflanze zu suchen und dieses durch die Bearbeitung freizulegen. Dabei ist die Verwertung teilweise ihrem Gefühl geleitet oder fußt in anderen Arbeiten auf einer konzeptionellen Idee. Die Pflanzenwelt und ihre Vergänglichkeit bringen Kriterien von Tradition und Geschichte mit sich. Für Spötzl hat dieser Hintergrund eine geringe Bedeutung. Sie versucht die Pflanzenwelt von dem Vorgegebenen zu befreien, um das Material für ihren Anspruch geltend zu machen.

Amely Spoetzl, Phytomagnetik © Bernd Zöllner

Klettensofa , Kletten, 36 x 19 x 12cm, 2008

Das Werk »Klettensofa« von 2008 zeigt das kleine Modell eines Sofas, dessen Stoff aus Kletten zusammengewebt wurde. Eine homogene Fläche, die sich erst bei näherer Betrachtung als einen gefährlichen Stachelparcours herausstellt. Das markante der Pflanze ist hervorgehoben und Stängel sowie Blätter sind entfernt. Ein »Blind Date« des Ausstellungsbesuchers mit der von der Künstlerin inhaltlich neu bestückten Klette: Von der Herkunft entfremdet, als Sofapolster neu erschaffen. Der »kleine Schubladenaltar« ist ein Sammelsurium getrockneter Pflanzen, die in einer kapellenähnlichen Holz und Plastikmontage angebracht sind. Die Blüten eines Trompetenstrauchs sind mit einer Kordel verbunden und unterhalb eines aus einem Eisbecher entwickelten Schirms wie eine Girlande angebracht. Flügel eines Ahornbaumes, entblätterte Blüten des Rhododendron, eine Bärenklaue und andere Blüten und Pflanzenarten werden von Spötzl, vom Gefühl geleitet, in dem kleinen Schubladenaltar bühnenartig in Szene gesetzt. Das Naturhafte der Pflanzen tritt in den Hintergrund. Dem Betrachter wird ein Raum zugänglich gemacht, in dem er seine Assoziationen frei gestalten kann.

amely spoetzl © bernd zoellner

Just a moment , Aktion im öffentlichen Raum, entstanden in Kooperation mit dem Fotografen Bernd Zöllner, in Berlin, Taipeh, Los Angeles und San Francisco,

amely spoetzl, kokerei hansa © bernd zoellner

Rauminstallation, Waschkaue, Kokerei Hansa, Dortmund

Amely Spoetzl, Phytomagnetik, © Bernd Zöllner

Feigenblattkreis F IV, Bleistiftzeichnung, 100 x 70cm, 2009

Die neuen Zeichnungen von Amely Spötzl

Verena Hupasch, freie Kuratorin, Berlin, zu den Zeichnungen von Amely Spötzl

Baumblätter werden als Schablonen eingesetzt. Durch das Anlegen und Verschieben eines Blattes um einen Mittelpunkt herum entstehen komplexe kreis- und sternförmige Ornamente, die in verschiedenen Gruppierungen auf den Papieren arrangiert werden. Wird die Blattschablone horizontal aneinandergereiht, entstehen unendlich fortsetzbare Netze und Reihen. Linien, deren Anfang und Ende nicht zu erkennen sind, überlagern sich zu dichten Gespinsten. Sie sind das Ergebnis eines genauen Plans, der den geometrischen Konstruktionen zugrunde liegt.
Im Moment ihres Entstehens befreit sich die Linie von der Schablone. Entsprungen in der Vorstellung, geflossen aus der Hand ist die Linie stark und transportiert das, was sie gespeichert hat: das Wesen des Baumes als ein Teil der Natur, mit der sich die Künstlerin permanent beschäftigt. Die Linie löst die Vorlage aus ihrer originären Form und schafft einen neuen Organismus, der das Blatt als Erinnerung enthält. Das in der Zeichnung abstrahierte Blatt wird somit Bild und Schrift zugleich. Es verschmilzt mit dem Papier, das zum Gedächtnisträger mutiert. Allein über die Beherrschung der Linie gelangt Amely Spoetzl zu einer vollkommen eigenen Aussage über das geheimnisvolle Wesen der Natur. Entstanden sind kraftvolle, sehr virtuose und autonome Zeichnungen.